Die BIOS-Akademie

Ein Interview mit der Abteilungsleiterin der Akademie, Dr. Catharina Zehetmair


Sabrina Sengle: Guten Tag Frau Zehetmair, vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Würden Sie sich kurz für unsere Leser vorstellen und berichten, wie Sie zu BIOS-BW gekommen sind und dabei auch Ihre Qualifikationen und Ihr Tätigkeitsfeld beschreiben? Catharina Zehetmair: Guten Tag Frau Sengle, ich freue mich sehr, dass wir dieses Interview führen. Ganz besonders freue ich mich natürlich über die Gründung der BIOS-Akademie und über die Möglichkeit, beim Aufbau und der Entwicklung und Gestaltung unseres Programmes mitzuwirken. Ich bin in Bayern, im Raum München, aufgewachsen und nach meinem Psychologiestudium in Salzburg nach Heidelberg gezogen. Dort habe ich Anfang 2017 mit der Ausbildung zur verhaltenstherapeutisch fundierten Psychotherapeutin für Erwachsene mit der Zusatzqualifikation Kinder und Jugendliche begonnen. Parallel dazu habe ich am Universitätsklinikum Heidelberg zum Thema „Achtsamkeits- und Stabilisierungsübungen für traumatisierte Geflüchtete in einem Erstaufnahme- und Registrierungszentrum des Landes Baden-Württemberg“ promoviert. Die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen auf das Individuum, das Störungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung sowie Traumafolgestörungen im weiteren Sinne haben schon während meiner Studienzeit mein Interesse geweckt. Im Zuge meiner Promotion bin ich erstmals mit Menschen mit Fluchterfahrungen in Kontakt gekommen. Aus interkulturellem Interesse und dem Wunsch, Menschen mit Traumafolgestörungen zu helfen, habe ich mich im Jahr 2019 bei BIOS-BW e.V. beworben. Nun bin ich seit mehr als zwei Jahren Teil des BIOS-Teams. Meine Haupttätigkeit umfasst die therapeutische Unterstützung von Menschen mit Fluchterfahrungen im Rahmen des Psychosozialen Zentrums Nordbaden an den Stützpunkten Heidelberg und Karlsruhe. Vereinzelt habe ich auch jugendliche und erwachsene Klienten aus dem forensischen Bereich betreut. Als Herr Böhm (RiOLG a.D.) und Herr Prof. Dr. Hillecke bezüglich der Abteilungsleiterposition auf mich zugekommen sind, habe ich mich sehr gefreut und auch sehr gerne zugesagt. Sabrina Sengle: Was zeichnet die BIOS-Akademie aus bzw. was ist der besondere Schwerpunkt in Bezug auf BIOS? Catharina Zehetmair: BIOS-BW e.V. ist durch die Arbeit mit Tätern/Tatgeneigten, Opfern und Geflüchteten ein sehr vielfältiger, multiprofessioneller und zunehmend interkultureller Verein. Immer wieder werden bedarfsorientiert neue Initiativen und Projekte gestartet, wie beispielsweise im vergangenen Jahr das bundesweite Krisentelefon oder der Bereich Kinder und Jugendliche im Rahmen von BIOS-Youngsters. Diese Vielfältigkeit der stetig wachsenden Arbeitsbereiche soll sich aus meiner Sicht auch in der BIOS-Akademie durch ein vielfältiges Angebot und unterschiedliche Veranstaltungsthemen wiederspiegeln. Der Hauptfokus der BIOS-Akademie ist der Opferschutz. Das Thema Opferschutz ist in den letzten Jahren durch deutschlandweite Vorfälle ein immer sensibleres und wichtigeres Thema geworden. Die BIOS-Akademie kann einen wertvollen Beitrag zur Sensibilisierung für unterschiedliche Themen rund um den Opferschutz leisten indem Fort- und Weiterbildungen die Möglichkeiten der Prävention und Intervention im Bereich Opferschutz intensivieren sowie interprofessionelle Vernetzungen auf- und ausgebaut werden. Die Schwerpunkte der BIOS-Akademie sollen dabei monatliche Vorträge, aber vor allem auch Angebote in Fort- und Weiterbildung für BIOS-Mitarbeitende und externe Interessierte bilden. Derzeit befinden wir uns im Aufbau der Akademie und haben nun durch die monatlich stattfindenden Vorträge schon eine gute Grundlage geschaffen. Sabrina Sengle: Das ist eine gute Überleitung zu meiner nächsten Frage. Können Sie auf den Gedanken hinter der BIOS-Akademie eingehen? Wie genau ist die Idee entstanden, einen kompletten Bereich für Veranstaltungen, Vorträge sowie Fort- und Weiterbildungen zu etablieren? Catharina Zehetmair: Seit ich für BIOS-BW e.V. arbeite, ist der Verein stetig im Wachstum, wobei BIOS-BW e.V. nicht nur neue Mitarbeitende dazugewinnt und örtlich expandiert, sondern sich auch neuen Bereiche innerhalb des Opferschutzes zuwendet. Zudem sind Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeitende und externe Interessierte als auch Vorträge und der jährliche Opferschutztag weitere wichtige Säulen des BIOS-Konzepts. Schon seit Jahren wird die Fortbildung „Deliktorientierte Einzeltherapie“ mit Herrn Dr. Scheurer und nun neu mit Herrn Prof. Dr. Hillecke angeboten. Letztes Jahr wurde erstmals eine Sexualtherapieweiterbildung für die im forensischen Bereich Mitarbeitenden konzipiert. Die Gründung der BIOS-Akademie stellt aus meiner Sicht einen wichtigen Schritt der Zentralisierung und bedarfsorientierten Weiterentwicklung von Aus-, Weiterbildungs- sowie Vortragsangeboten für BIOS BW e.V. Mitarbeitende und alle Interessierte dar. Sabrina Sengle: Bei der Kreation eines neuen Bereichs gibt es sicher auch Herausforderungen. Können Sie die Leser an Ihrer Arbeit, den Herausforderungen und Ihren Lösungswegen teilhaben lassen? Catharina Zehetmair: Eine große Herausforderung derzeit stellt aus meiner Sicht die COVID-Pandemie dar, vor allem in Bezug auf die Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Fortbildung als Face-to-Face, Hybrid- oder Online-Veranstaltungen. Eine weitere Herausforderung für die Akademie wird sein, die Interessen und den „Nerv der Zeit“ in Bezug auf Themen zum Opferschutz zu treffen. BIOS-BW e.V. hat durch den Opferschutztag und die vereinzelt stattfindenden Veranstaltungen in den letzten Jahren im Bereich Opferschutz schon gut besuchte Veranstaltungen angeboten und sich ein Netzwerk aufgebaut. Dies möchten wir nun in der BIOS-Akademie gebündelt weiterführen und weiterentwickeln. Derzeit ist die BIOS-Akademie aufgrund ihrer erst kürzlichen Gründung vielen Personen noch unbekannt. An dem Ausbau des Netzwerkes werden wir in den kommenden Monaten arbeiten. Sabrina Sengle: Wie geht es weiter, können Sie uns noch einen Blick in die Zukunft gewähren? Catharina Zehetmair: Der Blick in die Zukunft der BIOS-Akademie ist vielversprechend. Derzeit sind wir bei der Organisation eines Psychotraumatologie-Curriculums, welches nach den Standards der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie konzipiert wird. Ich freue mich dabei besonders über die wertschätzenden Kontakte zu wichtigen und renommierten Persönlichkeiten aus dem Feld der Psychotraumatologie, welche das Curriculum durch ihre Dozententätigkeiten unterstützen. Dieses Curriculum wird voraussichtlich Ende dieses Jahres starten. Dies sollte jedoch nur der Anfang sein. Opferschutz findet in vielen verschiedenen Bereichen statt. Es gibt bundesweit viele wegweisende Projekte und Menschen, welche wir durch die BIOS-Akademie erreichen können. Ich persönlich fände es überdies wünschenswert, zukünftig auch Workshops, Podiumsdiskussionen oder kreative Veranstaltungen anzubieten. Sabrina Sengle: Zum Abschluss interessiert mich noch, was Sie persönlich mit der BIOS-Akademie verbindet und was Sie täglich antreibt? Catharina Zehetmair: Mich verbindet mit der BIOS-Akademie das Thema Opferschutz, welches mir eine Herzensangelegenheit ist. Meiner Meinung nach passieren in Deutschland und weltweit zu viele schlimme Dinge. Die Vermittlung von Wissen kann dabei einen präventiven als auch reaktiven Effekt haben. Die BIOS-Akademie sehe ich als Chance, dass wir als Opferschutzverein noch stärker öffentlich in Erscheinung treten und den Raum schaffen, auf wichtige Themen, Schwierigkeiten, Missstände und Veränderungen aufmerksam zu machen und die Gesellschaft für diese Themen zu sensibilisieren. Sabrina Sengle: Vielen Dank Frau Dr. Zehetmair.

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